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Onyxaugen und GoldbeinchenOnyxaugen und Goldbeinchen

Herrliberg: Tierfiguren aus Edelstein und Edelmetall

Noch bis am Sonntag dauert die Ausstellung im Gold- und Silberschmiedatelier von Robert und Imelda Steinlin an der Felsenaustrasse 2. Im renovierten Raum kommen die Kunstwerke von Steingraveuren aus Deutschland und die ausdrucksvollen Edelmetallfiguren des Herrliberger Ehepaars perfekt zur Geltung.

In der Gegend Hundsrück zwischen Saarbrücken undTrier üben seit Jahrhunderten Steinschleifer und Steingraveure ihr Handwerk aus. Wo früher der russische Zar Aufträge vergab, deckten sich bis zum Golfkrieg Araber mit Figuren aus Edelstein ein, um damit ihre Paläste zu schmücken. Für Robert Steinlin ist dieses Zentrum europäischer Steinkunst immer wieder eine Reise wert. Die erste Ausstellung in seinem frisch renovierten Atelier hat er denn auch mit Werken aus Deutschland ausgestattet, wobei besonders schöne Vergleiche möglich sind zwischen seinen Tieren aus Silber und denjenigen, die er analog aus Edelstein hersteilen liess.

Lebensechte Darstellungen

In seiner Werkstatt, wo er Restaurationen ausführt oder Schmuck und Gegenstände aus Edelmetall kreiert. verfertigt er Tiermodelle aus Wachs, welche die Grundlage für die edlen Ausführungen bilden. «Man darf nie vom erwachsenen Tier ausgehen,sondern muss etwas Rundes, Babyhaftes in die Form bringen.» Wie lebensecht die Tiere aussehen können, zeigt das Beispiel Leo: Der Hund wurde auf Wunsch seines Herrchens in Rauchquarz graviert und auf einen Silbersockel gestellt.

Unikate der Natur

«An den Ausstellungsobjekten ist nichts gemalt und nichts gefärbt.» Umso erstaunlicher, wie die Natur und der Kunsthandwerker gemeinsam ein Ganzes geschaffen haben. Die zwei Kamele aus Kalahari-Jaspis sind echteTrouvaillen. Die Maserung des Steins zeichnet lebensechte Merkmale auf den Körper des Tiers. Vom Feinsten auch der Eisvogel mit Karneolbauch und Onyxschnabel, bis in die kleinsten Ritzen hinein poliert und farblich wunderschön zusammengefügt.

Diese Kunstwerke sind Einzelstücke, welchen jeden Sammler entzücken. Die zarte Blüte aus Rubin mit dem Kolibri aus grünem Chalzedon, Gold und Lapislazuli ist eine Leihgabe aus einem deutschen Museum. Der winzige Amethystdackel, die Zitrinkatzen oder die sandgestrahlten Mäuse konkurrieren mit dem grün-roten Papagei. Er ist aus einem zweifarbigen Stein entstanden, andere mehrfarbige Figuren wurden aus verschiedenen Steinarten zusammengesetzt.

Frösche und Fische

Neben Figuren aus reinem Edelstein wie zum Beispiel die glänzend polierte Rosaquarzmuschel oder der Eisbär aus Bergkristall stehen Kombinationen: Robert Steinlin hat Schneckenkörper aus Silber geformt und sie mit Edelsteinhäuschen ergänzt. Nach Zeichnungen und Fotos hat er Wachsmodelle angefertigt, diese bearbeitet und einen Silikonabdruck gemacht. Als Endresultat stehen jetzt silberne Elefanten, Schildkröten, Hasen oder Nilpferde in der Vitrine. Diese Tiere werden in Serien von etwa zwölf Stück produziert.

Robert Steinlin möchte in Zukunft mit einer Ausstellung pro Jahr auf alte Handwerkskunst aufmerksam machen. «Ich liebe archaische Traditionen.» Von seiner Arbeit, die ihm immer auch Kompromisse abverlangt, sei dies aus Gründen des Materials, der Funktionalität oder des Kundengeschmacks, erholt er sich beim Malen. «Da bin ich völlig frei.» Beruflich setzt er sich zum Ziel, Kitsch zu vermeiden, die Spannung zu erhalten und immer wieder Neues anzufangen. (mbm)

Öffnungszeiten: Freitag 10 bis 19 Uhr, Samstag/Sonntag 10 bis 16 Uhr.

Zürichsee-Zeitung, 2000, Text: mbm, Bild: Geri Schedl




Beutestück neu aufgelegt

Der Hut des Burgunderherzogs wird in Herrliberg rekonstruiert

Ausserhalb der aktuellen Hutmode entsteht in einem Herrliberger Atelier gegenwärtig eine Rarität - der Helm von Karl dem Kühnen. Das Original haben die Eidgenossen 1476 bei Grandson erbeutet.

von Felix Thurner


Er verlor «bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut»: Mit diesem Satz machte die Schule vor noch nicht allzu langer Zeit auf die Erfolgsserie im Burgunderkrieg aufmerksam. Ein Résumé der kurzen Schweizer Grossmachtpolitik im 15. Jahrhundert, Um Gut, Mut und Blut kam dabei der Burgunderherzog Karl der Kühne.

Juwelier als Detektiv

Zusammen mit der ganzen Artillerie und der prunkvollen Ausstattung der Offizierszelte fiel den Eidgenossen 1476 auch ein seltsamer Hut mit Federschmuck in die Hände. Des kühnen Karl Renommierstück ist schon bald im Schlossmuseum Grandson zu besichtigen (siehe Kasten). Zurzeit liegt die Nachbildung halbfertig im Atelier des Gold- und Silberschmieds Robert Steinlin in Herrliberg. Er hat von der Museumsstiftung den Auftrag, den eigenwilligen Kopfschmuck des geltungssüchtigen Karls neu zu schaffen.

Die Arbeit Steinlins - er ist auf die Restauration von Antik-Silberarbeiten spezialisiert - ist handwerklich und detektivisch eine Herausforderung. Den Hut gibt es längst nicht mehr, aber Anhaltspunkte für dessen abenteuerliche Geschichte. Der Goldschmied erzählt noch so gern einige Hut-Anekdoten:

So kamen die Eidgenossen hei Grundson zu einer reichen Kriegsbeute, ohne sich über deren Wert im klaren zu sein. Den Hut haben sie offenbar zu einem viel zu geringen Preis den listigeren und weltgewandteren Baslern abgegeben. Als das prächtige Beutestück später unter Berufung auf eine neue Beuteverordnung zurückgefordert wurde, hatte es bereits den Besitzer gewechselt. Der Hut war den Fuggern in Augsburg verkauft worden, und diese hatten ihn mit grossem Gewinn, in Einzelteile zerlegt, weiterverkauft. Steinlins Quelle für die Rekonstruktion der flämischen Goldschmiedearbeit von etwa 1465 ist ein detailgetreues Bild aus dem «Ehrenspiegel» der Fugger, einer Art Inventar.

Edelsteine jetzt synthetisch

Wie entsteht die Nachbildung? Zunächst hat der Goldschmied einen helmartigen Filzhut gefertigt und diesen mit goldgelbem Samt überziehen lassen. Darauf legte er ein Gitter aus vergoldetem Silber. Die 4011 Perlen hingegen sind ebenso synthetisch wie die Rubine, Saphire und Diamanten.

Der Herrliberger Goldschmied ist begeistert vom Handwerk seiner Vorfahren im Norden der damaligen burgundischen Herrschaft. Aber ihn fasziniert auch die spirituelle Botschaft des aussergewöhnlichen Schmuckstücks eines machtbewussten Fürsten. Hinter dem Hut, der einst wie ein Goldhelm geglänzt haben muss, vermutet er die Absicht des Trägers. als Sonnenkönig zu erscheinen. Auch die Zahl vier beschäftigt Steinlin - sie tritt konsequent in den Zahlen- und Massverhältnissen auf.

Marotte der Herzöge

Alle Geheimnisse des kühnen Huts kann auch Jürg A. Meier, Konservator des Schlossmuseums Grandson. nicht lüften. Laut Meier ist aus dieser Zeit keine Darstellung einer vergleichbaren Kopfbedeckung bekannt. Meier geht davon aus, dass die Herzöge offenbar als eine Art «Marotte» solche Spezialhüte anfertigen liessen.

Legendärer Hut ist in Grandson zu sehen

Saisonauftakt am 2. März

Die Festung Grandson war 1476 von Karl dem Kühnen belagert worden, und die eingeschlossene Mannschaft hatte sich ergeben. Auf Weisung Karls wurden darauf entgegen dem Versprechen des freien Abzugs alle 412 Eidgenossen ertränkt oder aufgehängt. Die Nachricht von der Hinrichtung erreichte das eidgenössische Ersatzheer auf dem Anmarsch.

Das Burgunderheer wurde zerschlagen, wobei Karl im kurzen Gefecht verhältnismässig wenig Krieger, aber dafür sein ganzes Kriegslager verlor.

Autos neben Kanonen


Schloss Grandson war seither Kaserne, Gefängnis, Tabakfabrik und herrschaftlicher Wohnsitz. Heute beherbergt es ein Automuseum und ausserdem seit 1995 eine Ausstellung zu den Burgunderkriegen. Dazu gehören Originalgegenstände wie Kanonen, Schwerter und Spiesse. In der Abteilung Burgunderbeute sind verschiedene Kopien der bei Grandson erbeuteten Schmuckgegenstände und einige Originale zu sehen. Demnächst wird hier auch Karls legendärer Flut ausgestellt.

Zum Tag der Schlacht

Heute arbeiten die Fondation du Chäteau de Grandson und die Zürcher Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (Besitzerin) zusammen. Saisoneröffnung im Schlossmuseum ist traditionellerweise der 2. März, der Tag der Schlacht von Grandson. (ft)

Tages-Anzeiger, 1997, Text: Felix Thurner (ft), Bild: Dominique Meienberg




Prunkstück aus dem Herrliberger Atelier von Robert Steinlin

«Bei Grandson den Hut...»


HERRLIBERG - Mit einem ganz besonderen Auftrag hat die Stiftung Schloss Grandson den Herrliberger Antiksilberrestaurator Robert Steinlin beauftragt: Er reproduziert einen Schmuckhut von Karl dem Kühnen. Im Rahmen der Ausstellung «Burgunderkriege - Burgunderbeute» wird er im Schloss Grandson ausgestellt.

Am 2. März wird im Museum Schloss Grandson am Neuenburgersee die zweite Etappe der Ausstellung «Burgunderkriege - Burgunderbeute» eröffnet. Das Datum ist nicht zufällig gewählt, sondern geht auf die am 2. März 1476 geführte Schlacht bei Grandson zurück. In drei Phasen wird von der Stiftung Schloss Grandson der Burgunderschatz zusammengetragen, um dem Museum zum ihm gebührenden Ruhm zu verhelfen. Einzelne Stücke des Schatzes konnten aus Schweizer Museen zusammengetragen werden, oder es wurden Kopien angefertigt, andere sind spurlos verschwunden. So auch ein sehr kostbarer und ungewöhnlicher Schmuckhut von Karl dem Kühnen.

Von den Fuggern katalogisiert

Wer erinnert sich nicht an den in der Schule gelernten Vers «Bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut», die Kurzfassung der Burgunderkriege. Dass, als die Eidgenossen das Heer von Karl dem Kühnen bei Grandson am 2. März 1476 besiegten, mit dem Gut auch ein aussergewöhnlicher Hut des Feldherrn in die Hände der Sieger fiel, wissen wohl die wenigsten. Die erste Erwähnung des Hutes ist in der Aussage eines Mitstreiters bei der Schlacht von Grandson anlässlich der vom Basler Rat 1476 und 1477 durchgeführten Verhöre überliefert. Obwohl die Eidgenössische Beuteverordnung vorschrieb. dass alles Eroberte aufgehäuft werden müsse, um es dann auf die Mannschaften zu verteilen, war der Hut von Baslern, die den Wert des Stückes erkannten, auf die Seite geschafft und versteckt worden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt gelangte die ungewöhnliche Kopfbedeckung zum Preis von 6800 Gulden von Basel nach Augsburg in den Besitz der Banquiersfamilie Fugger. Diese liessen ihn auseinandernehmen, um die Kleinodien einzeln zu veräussern. Der grösste Teil der Pretiosen gelangte schliesslich um den Preis von 22 000 Gulden in den Besitz von Kaiser Maximilian. Die einzige Abbildung des Hutes ist im Ehrenspiegel Johann Jakob Fuggers zu finden. Er war es auch, der eine detaillierte Beschreibung des seltsamen Beutestuckes verfasste.

Ungewöhnlicher Auftrag

Vor rund einem Jahr bekam nun der Herrliberger Gold- und Silberschmied Robert Steinlin von der Stiftung Schloss Grandson den Auftrag, eine Kopie der flämischen Spezialanfertigung aus dem Jahre 1465 zu machen. - Nur gerade aufgrund der erwähnten Zeichnung aus dem Inventar der Fugger und der schriftlichen Beschreibungen rekonstruiert Steinlin den Hut in seinem Atelier.

Ein Filz, mit gelbem Samt überzogen, dient als Grundgerüst. Darüber wird ein goldenes Gittergestell gelegt, das neben rund vierhundert Perlen mit Rubinen, Saphiren, Diamanten und Federn geschmückt wird. Der ganze Hut ist wahrscheinlich nach den vier Himmelsrichtungen in einem Vierersystem aufgebaut. Auch der «Gupf» zeigt auf vier Seiten vier verschiedene Gesichter - nach der Meinung Steinlins in Anlehnung an die «Krone» des französischen Sonnengottes. Eine andere Theorie ist, dass der Hut gestützt auf die damals üblichen Herzogenhüte entstanden ist - Hüte, die vom Papst geweiht den verschiedenen Herzögen als Auszeichnung geschenkt wurden.

Unzählige Stunden Handwerk und Recherche

Für die Kopie ist das Gitter aus Silber gefertigt und wird anschliessend vergoldet. Perlen und Edelsteine sind synthetisch und mussten speziell angefertigt werden, um ihnen die richtige Grösse und den damals üblichen Schliff zu geben. Von der Lieferbarkeit dieser Steine wird es schliesslich abhängen, ob der Hut bis zur Ausstellungseröffnung Anfang März fertig gestellt sein wird.

Während rund 100 Arbeitsstunden setzt nun Steinlin das Wunderwerk zusammen. Der handwerklichen Arbeit vorausgegangen sind unzählige Stunden Recherche auf den Spuren von Karl dem Kühnen. «Diese Geschichtsaufarbeitung hat mich
ebenso sehr fasziniert, sie gibt Distanz zur heutigen Zeit und relativiert vieles», meint Steinlin abschliessend dazu. mw.

Schloss Grandson ist geöffnet vom 1. März bis 31. Oktober von 9 bis 18 Uhr und vom 1. November bis 28. Februar von 9 bis 17 Uhr.

Zürichsee-Zeitung, 1997, Text: mw, Bild: Geri Schedl, Abbildung: zvg

 

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