15.04.2008 14:52 (1545 x gelesen)
Nach Mass geschmiedet oder nach alten Skizzen
Robert Steinlin liebt das Gold- und Silberschmiedhandwerk. Speziell das seiner Vorfahren.
Von Heidi Schlumpf Steimer
Herrliberg. - Vor dem Atelier Steinlin im Felsenauquartier thront ein überlebensgrosser Urmensch aus Holz mit verschränkten Armen und wachsamem Blick. Robert Steinlin hat die Skulptur vor Jahren geschaffen als Wächter seines Ateliers und als Ersatz für einen Baum. Die Werkstatt, die der Riese bewacht, ist luftig und geräumig, und die verschiedenen Arbeitsplätze illustrieren die unterschiedlichen Arbeitsprozesse, die sein Schöpfer Steinlin beim Schaffen eines Kunstwerks durchläuft.
In Glasvitrinen liegen Objekte aus Gold und Silber: massive Fingerringe versetzt mit Edelsteinen, filigrane Halsketten, Schalen in klaren Formen, niedliche Tiere und antike Objekte.
Imelda Steinlin, die Frau des Kunsthandwerkers, arbeitet ebenfalls als Goldschmiedin im Atelier. Ihre Spezialität ist das Entwerfen und Herstellen von Halsketten und das Verarbeiten von Perlen. Es sind Kunstwerke von schlichter, organischer Form.
Antikes Handwerk
Der Gold- und Silberschmied Steinlin ist gerade mit dem Polieren von einem Paar massiver Ohrringe beschäftigt. Er verpasst ihnen den abschliessenden Glanz. Es sind Skulpturen in Miniaturgrösse, die kurz darauf am Ohr einer Kundin funkeln werden. Neben den Ohrringen liegen auf dem Arbeitsplatz Skizzen von Tierfiguren, die viel über eine völlig andere Seite Steinlins verraten: die Leidenschaft für verspielte Kunstobjekte.
Steinlin, der eigentlich von der Malerei herkommt und sich erst später dem Bearbeiten von Metall zugewendet hat, liebt die Vielfalt an Stilen, wie er sagt. Eine Spezialität Steinlins ist die Restauration von antiken Gold- und Silberarbeiten. Deshalb erhält er Aufträge von Museen, Stiftungen, Zünften und Privaten, Replikas von wertvollen antiken Objekten herzustellen. So hat er einen kostbaren Hochzeitsbecher einer deutschen Adelsfamilie nachgebildet, der im Landesmuseum Stuttgart steht. Ebenso hat er den Hut des Burgunderherzogs Karl der Kühne nach alten Skizzen rekonstruiert, den die Eidgenossen 1476 bei Grandson erbeutet haben. Dieser Auftrag forderte seinen ganzen Erfindergeist, das Resultat wird momentan in der Ausstellung «Karl der Kühne» des Historischen Museums Bern gezeigt.
Kühles Silber
«Ich verstehe mich als Handwerker und angewandter Künstler», sagt Steinlin. Er hat durch das Fertigen von Objekten viel altes Handwerk erlernt und ist begeistert vom Können seiner Vorfahren. Als Kontrast zur Antikschmiede fertigt Steinlin Silberobjekte an, die durch ihre reduzierte Ästhetik wirken: Schalen ohne Schnickschnack in massivem Silber, in denen sich das Licht spiegelt und die für grosse helle Räume entworfen sind. Durch ihre klaren Formen bestechen auch Steinlins geschmiedeten Metall-und Silberbecher.
Der Künstler ist kein Eigenbrötler: Steinlin liebt den Austausch mit seinen Kunden ebenso wie mit seinen Berufskollegen. «Ich treffe die ganze Welt im Laden», sagt er. Ebenso mag er es. seinen Kunden Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel, wenn sie ihn aufsuchen, um ihren Schmuck reparieren zu lassen. Eben betritt eine Kundin den Laden, die ein Collier wiederhergestellt haben möchte. Kein Problem für Steinlin, der solche kleinen Serviceleistungen nicht scheut.
Jedes Objekt ein Unikat
Vor 25 Jahren hat Steinlin sein Atelier eröffnet. «In dieser Zeit habe ich mich vom Barock- zum minimal istischen Kunsthandwerker gewandelt», er erklärt, dass sich seine Formen in dieser Zeit radikal verändert haben. Erhalten hat er sich in dieser Zeit aber seinen Grundsatz, dass Form und Funktion eines Objekts stimmen müssen. Auch ein anderes Markenzeichen zieht sich durch die 25 Jahre seines Schaffens: Steinlin produziert vom Entwurf bis zum Objekt praktisch alles selbst. Wenige Details lässt er bei andern Spezialisten machen wie das Gravieren oder das Fassen von Juwelen.
Die Inspirationsquelle Steinlins ist die bildende Kunst, er besucht regelmässig Kunstausstellungen und setzt sich besonders gerne mit junger Kunst auseinander. «Spannend wird es, wenn ich nichts mehr verstehe», sagt er mit einem Augenzwinkern.
Steinlins Tätigkeit ist seine Passion, er verbringt deshalb viel Zeit in seiner Werkstatt. Ferien braucht er keine: «Gerade weil meine Arbeitsqualität hoch ist und ich autonom und frei bin», sagt er.
Steinling Schmuck & Objekte
Felsenaustrasse 2, 8704 Herrliberg
Telefon: 044 915 02 42
E-Mail: info@steinlin.com
www.steinlin.com
Öffnungszeiten:
Montag-Freitag 8-12 und
14-18 Uhr, Samstag 8-12 Uhr
Tages-Anzeiger - Dienstag, 15. April 2008
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